Pädagogisch-pflegerische Praxis in der Kinder- und Jugendpsychiatrie
Unveränderte Neuauflage 2011 bei "Books on Demand"
Dieses Buch ist sehr zu begrüßen! Es ist das erste Fachbuch, in dem aus-schließlich die Arbeit des Pflege- und Erziehungsdienstes in der Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt wird. Das Buch ist in zwei Hauptteile gegliedert. Im ersten Teil werden bestimmte Elemente des Behandlungsprozesses erörtert, beispielsweise die Aufnahmesituation sowie die Erziehungs- und Pflegeplanung, die Bezugspädagogik, die pädagogische Eltern- und Familienarbeit als Ergänzung zur Familientherapie, gruppenpädagogische Ansätze sowie der Behandlungsabschluss.
Der zweite Teil ist störungsspezifisch orientiert. In ihm werden Behandlungs- und Betreuungsstrategien der MitarbeiterInnen des Pflege- und Erziehungsdienstes bei Kindern und Jugendlichen mit ADS, mit depressivem oder suizidalem Verhalten, mit Borderlinestörungen, mit psychotischem Verhalten, Essstörungen, Zwangsstörungen, aggressivem und dissozialem Verhalten sowie Auffälligkeiten und Schädigungen nach sexuellem Missbrauch dargestellt.
Der Sammelband, an dem vornehmlich Autorinnen und Autoren aus den Pflege- und Erziehungsdiensten verschiedenen kinder- und jugendpsychiatrischer Kliniken und Abteilungen mitgearbeitet haben, ist überlegt geplant, gut strukturiert, sorgfältig ediert und ansprechend gestaltet. Es entwirft kein zusammenhängendes Konzept der Arbeit des Pflege- und Erziehungsdienstes, bietet aber für fast alle Schwerpunktbereiche wichtige Anregungen. Es dokumentiert auch die Unterschiedlichkeit in der Praxis des Pflege- und Erziehungsdienstes in den verschiedenen Kliniken und Abteilungen: Was in der einen Einrichtung selbstverständlich erscheint, ist in anderen offensichtlich mehr oder weniger ferne Zukunft und umgekehrt. Es werden Themen angesprochen, die zur Diskussion herausfordern, beispielsweise die Frage der Trennung bzw. Verschränkung zwischen dem Arbeitsfeld des Pflege- und Erziehungsdienstes und dem der PsychologInnen und ÄrztInnen. Manche Abgrenzungstendenzen erscheinen dem Rezensenten als vielleicht nützlich für den Aufbau eines beruflichen Selbstverständnisses des Pflege- und Erziehungsdienstes, jedoch eher problematisch im Hinblick auf eine gelingende Kooperation in der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Auch erscheint der zweite Teil mit seinen störungsorientierten Beispielen in der Qualität der Beiträge als der unaus-geglichenere und insgesamt schwächere. Hier spiegelt sich offensichtlich zum einen der noch generell als entwicklungsbedürftig anzusehende Zustand der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie; zum anderen dokumentiert sich darin auch der Entwicklungsstand eigenständiger störungsorientierter Betreuungs-(Behandlungs-, Erziehungs- und "Pflege-") konzepte.
Insgesamt ist aber allen AutorInnen und vor allem dem Herausgeber Dank und Anerkennung dafür zu sagen, dass dieses Buch möglich geworden ist. Es bleibt zu wünschen, dass es eine möglichst große Verbreitung unter den MitarbeiterInnen der kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken und Abteilungen findet, an die es gerichtet ist.
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Blickpunkt Eltern
Blickpunkt Pflege- und Erziehungsdienst